
Als erstens werfen wir unser Blick auf den Apostel Simon-Petrus. Jesus, sein Meister bezeichnet ihn als einen Felsen, auf den Kirche gebaut wird. Dieser Petrus wird übermächtig von Christus und muss doch ein Leben lang erfahren, wie ohnmächtig er bleibt.
Den Evangelien, der Apostelgeschichte und den paulinischen Briefen entnehmend erkennen wir, dass die Lebensgeschichte des Petrus von „unbarmherziger Dramatik“ ist. Sie spiegelt einen Menschen wider, der spontan, impulsiv und unbedacht reagiert. Er lässt sich leicht begeistern, ist einsatzbereit und von großer Liebe, zugleich aber ist er seinen Schwankungen des eigenen Herzens unterworfen; er versagt auch. In ihm stoßen Ja und Nein aufeinander und lassen gerade durch diesen Widerstreit einen Menschen aufdecken, den man als Heiligen verehrt, weil er es wagt, ganz Mensch zu sein und auch seine Schwachheit als Liebender anzuerkennen. Unauffällig beginnt der Lebensweg von Simon in einem Dorf Betsaida. Er zieht in das Haus seiner Ehefrau nach Kafarnaum ein, mit der er später missionarisch wirkt (1 Kor 9,5). Ungeachtet seiner Herkunft und Stellung als gewöhnlicher Fischer ergeht an Simon der Ruf zur Nachfolge (Mk 1,16-18). Sein bedingungsloses Ja auf Jesu machtvolles Wort und wirkmächtige Tat (Lk 5,1-11) markiert die entscheidende Wende seines Lebens und gibt ihm den neuen Inhalt, als berufener Menschenfischer zu sein. Dass Petrus bei aller Bereitschaft doch stark von irdischen Erwartungen bestimmt war, lässt sich aus seinem nur „schwer zu begreifenden Herzen“ erschließen, das nicht verstehen kann, dass Jesu Sendung mit dem Leidensschicksal und Tod verknüpft sein soll. Für seine energischen Vorhaltungen und sein so menschliches Denken muss er die abweisende Zurechtweisung „Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen“ ertragen (Mk 8,32f). Dies hält ihn jedoch ebenso wenig ab, begeistert an der Seite Jesu bald mit dem Schwert für ihn einzustehen (Joh 18,10), wie ihn andererseits die Verleugnung nicht hindert, durch Reuetränen sich erneut zu dem zu bekennen, den nicht zu kennen er geschworen hatte (Mk 14,66-72). Auch wenn er vieles verspricht, hält aber es nicht, oder wenn er sich zu Jesus bekennt, versagt aber in der Probestunde (Mk 14,29), trotzdem schenkt Jesus ihm sein besonderes Vertrauen, indem er ihn bei Heilungen, auf dem Berg der Verklärung oder im Garten Getsemani Zeuge besonderer Taten und Offenbarungen werden lässt. Die Lebensgeschichte von Simon Petrus erscheint viel zu reich, um alle Stationen, Taten und Worte seines Lebens zu erwähnen: Die Geschichte, die den verborgenen Menschen des Herzens, den in Anspruch genommenen Menschenfischer, den zweifelnden, ringenden, stürmischen, glaubensstarken und verleugnenden Jünger des Herrn, den mutig wagenden, tatbereiten, aus Furcht und Heuchelei auch versagenden Künder der Frohbotschaft und schließlich Gesandten Jesu Christi offenbart.
Jesus hatte ihm in der Erprobung seine Hilfe vorausgesagt: „Simon, Simon, der Satan hat verlangt, dass er euch wie Weizen sieben darf. Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht erlischt. Und wenn du dich wieder bekehrt hast, dann stärke deine Brüder“ (Lk 22,31). Wogegen Petrus im Leben seines Meisters sich wehrte, als dieser von seinem Leiden sprach, das muss er verstehen lernen in der Erfahrung seines eigenen Lebens, bis er, wie sein Lehrer, aber eben mit Kopf nach unten gekreuzigt wurde.
Was können wir aus der Lebensgeschichte des Simon-Petrus lernen? Was können wir mit auf den Weg nehmen? Vor allem seine Ehrlichkeit in Beziehung zu Jesu, Offenheit, Aufrichtigkeit, Demut, Echtheit, Freimut, Einfachheit. Als Choleriker vermochte er immer wieder eigene Fehler anzuerkennen und war ständig im Prozess sich zu bessern, das ganze Leben lang. Obwohl er öfters gescheitert hat, hat er nie aufgegeben, neu anzufangen, nicht liegenbleiben, sondern wieder aufzustehen, um sich in Jesu Nachfolge zu stellen bis zum Tod. Auch wir sind keine perfekte Menschen oder Roboter, die keine Fehler machen. Wir scheitern, erleben Enttäuschungen, kommen öfters an eigene Grenzen, machen Fehler, sind empfindlich, verletzlich, wenn jemand uns etwas Böses sagt, trotzdem dürfen wir nie Mut verlieren, neu aufzubrechen, nie gleichgültig zum eigenen geistlichen Leben zu sein, niemals müde zu werden sich verbessern zu wollen. Natürlich ist es alles uns überlassen und hängt von unserer Einstellung ab, ob wir wirklich die Beziehung zu Gott liebevoll pflegen, wie ein kleines Kind zu seinem Vater oder vielleicht indifferent dazu stehen. Das ist die eigentliche Kunst des christlichen Lebens, bis zum Ende im Guten auszuharren. Nur so werden wir und all die, die Gott, der höchste Hirte uns anvertrauen wird, gerettet. Und das beste Beispiel dieses Lebens, bzw. dieses Ringens, ist die Lebensgeschichte des hl. Petrus. Amen.