Umgang mit Geld und Eigentum

Liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst, liebe Kollegiaten!

Liebe Mitchristinnen und Mitchristen!

„Wie steht es denn um unser Bitten und Beten? Ihr Männer beschäftigt euch bis auf wenige mit Handel, und ihr Frauen helft ihnen beim Gelderwerb. Nur wenige beten mit mir, und diese sind mit ihren Gedanken anderswo, gähnen, wenden sich fortwährend hin und her und können es kaum erwarten, bis der Psalmensänger mit den Versen fertig ist, und sie aus der Kirche wie aus einem Kerker flüchten können und den Gebetszwang los haben.“[1]

Mit diesen mahnenden Worten richtet sich der heilige Basilius im Jahr 368 an seine Zuhörerinnen und Zuhörer. Die Stadt Cäsarea und ihr Umland leiden unter einer schweren, langanhaltenden Dürre. Eine Hungersnot hat weite Teile der Bevölkerung erfasst. Basilius spart nicht mit Kritik: Den wohlhabenden Schichten wirft er die Gleichgültigkeit und Untätigkeit vor. Er fordert Einsicht – denn was nützen angehäufte Schätze aus Gold und Silber, wenn es an der nötigen Nahrung fehlt?

Wie Basilius anmerkt, kam noch dazu die Gier der Einheimischen, die verbliebenen Vorräte nur für sich selbst zu horten.[2] Der Prediger nimmt kein Blatt vor den Mund. Er kritisiert offen jene, die aus Habgier ihre Mitmenschen übersehen oder sich gar an deren Not bereichern. Für ihn ist das kein Tabuthema – im Gegenteil: Er nennt die Dinge beim Namen.

Ganz anders in unserer Zeit, der Postmoderne. Heute spricht man ungern über Geld. Man hat es eben oder auch nicht. Dieses Sprichwort trifft noch immer auf viele zu – und mit ihm wird ein Thema verschwiegen, das unseren Alltag maßgeblich bestimmt. Geld spielt überall eine Rolle – ob in der Weltpolitik oder im privaten Leben. Es sind nur neutrale Papierscheine, und doch üben sie eine enorme Macht aus. Man kann davon nie genug haben – so hört man es jedenfalls oft, gerade auch von jungen Menschen.

Doch es liegt eine große Gefahr darin, wenn das Geld über alles andere gestellt wird – sogar über Gott. Die Liebe zum Geld, die Gier nach immer mehr, lässt den Mammon an die erste Stelle im Leben vieler Menschen treten. Dieser Mammon wird so zum Götzen, der Verehrung und Anbetung fordert – durch übermäßigen Konsum und den Drang, ständig etwas kaufen zu müssen, was sich bis zur sogenannten Kaufsucht oder Shoppingsucht steigern kann. Heutzutage wird sogar das berühmte philosophische Zitat von René Descartes, „Ich denke, also bin ich“, umgewandelt in: „Ich kaufe, also bin ich.“

Eine Studie von ZDFheute hat ergeben, dass die Verschuldung junger Menschen in Deutschland zugenommen hat. Ein Fünftel der 14- bis 29-Jährigen hat finanzielle Schulden. Besonders anfällig für Überschuldung sind Jugendliche und junge Erwachsene, die stark durch Konsum und Impulskäufe beeinflusst werden – etwa beim Surfen in sozialen Medien, wenn sie auf vermeintlich „großartige“ Angebote stoßen.

Mit diesem Einstieg möchte ich auf das Thema „Umgang mit Geld und Eigentum“ zu sprechen kommen: Welche Rolle spielen Geld und Eigentum in meinem Leben? Wie stehe ich zum Eigentum anderer? Und was ist das rechte Maß im Umgang mit Besitz? Schlägt man die Bibel auf, findet man zahlreiche Aussagen, die mit Geld und Besitz zu tun haben. Weisheit in der praktischen Lebensführung scheint eng damit verknüpft zu sein, wie wir mit Geld umgehen. „Wer Geld liebt, wird vom Geld niemals satt, und wer Reichtum liebt, wird keinen Nutzen davon haben“ so lesen wir im Buch Prediger 5,9. Auch in Sprüche 15,16 wird betont: „Besser wenig mit der Furcht des HERRN als ein großer Schatz, bei dem Unruhe ist.“ Vielleicht wird das Thema Geld deshalb so häufig in der Bibel behandelt, weil gerade in finanziellen Angelegenheiten entscheidende Fehler passieren können. Falsche Entscheidungen im Umgang mit Geld haben oft weitreichende Folgen: Von den Verfehlungen Achans oder Gehasis (Jos 7,20-27; 2 Kön 5,20-27) im Alten Testament bis zum Verrat des Judas (Mt 26,14–16) oder zur ersten schweren Krise in der Urgemeinde (Apg 5,1-11) – stets spielt Geld eine zentrale Rolle.

Auch Jesus Christus hat auffällig oft über Reichtum und Besitz gesprochen. In der Bergpredigt etwa trifft er sehr radikale Aussagen (Mt 6,19-24), und der Evangelist Lukas beschreibt, wie Jesus Menschen beim Spenden beobachtet (Lk 21,1-4). Die neutestamentlichen Briefe betonen fast unisono, wie wichtig ein verantwortungsvoller Umgang mit Geld ist – besonders für Gemeindeleiter (1 Tim 3,3; Tit 1,7; 1 Petr 5,2). Die zentrale Frage für alle Christen lautet also: Worauf setzen wir unser Vertrauen? Was gibt uns letzte Sicherheit? Was ist das entscheidende Argument bei unseren Entscheidungen? Der Hebräerbrief mahnt: „Seid nicht geldgierig und lasst euch genügen an dem, was da ist. Denn er hat gesagt: Ich will dich nicht verlassen und nicht von dir weichen.“ (Hebr 13,5) Geld kann auch unsere Beziehung zu Gott, zu unseren Nächsten und zu uns selbst beeinflussen. Jesus spricht dies direkt an, wenn er sagt: „Ihr könnt nicht Gott dienen und zugleich dem Mammon.“ (Lk16,13) Entweder hat Gott das Sagen – oder das Materielle. Das aramäische Wort Mammon bedeutet sinngemäß: „Das, worauf man vertraut.“ Es geht also um Vertrauen – wie zu einer Person. Und tritt uns Geld nicht oft genauso entgegen, als würde es uns zuflüstern: „Geld macht glücklich. Du brauchst nur ein bisschen mehr.“ Es will Herr sein – und uns zu Sklaven machen. Die Bibel bezeichnet Geldgier als Götzendienst, weil das Geld dem lebendigen Gott den Platz im Herzen streitig macht. Dazu passen biblische Aufforderungen wie: „Setzt eure Hoffnung nicht auf Reichtum, sondern auf Gott.“ (1 Tim 6,17) „Macht euer Leben nicht vom Geld abhängig, sondern von Gott.“ (Hebr 13,5) „Strebt nicht nach Reichtum, denn das widerspricht einem Leben im Glauben.“ (1 Tim 6,10)

Ein tiefsinniger Gedanke findet sich bei Johannes Klimakos in seiner Himmelsleiter: „Der Anfang der Geldliebe hat den Vorwand der Barmherzigkeit zum Gegenstand, ihr Ende aber ist der Hass auf die Bedürftigen. Solange jemand anhäuft, ist er barmherzig. Ist jedoch Geld vorhanden, hat er die Hände verschlossen.“ (16,8) Diese Aussage kritisiert die scheinheilige Haltung mancher Menschen im Umgang mit Geld. Anfangs geben sie vor, aus Mitgefühl zu handeln – sie spenden oder helfen scheinbar selbstlos. Doch diese Großzügigkeit dient oft nur dem eigenen Vorteil oder dem Ansehen. Sobald sie über genügend Besitz verfügen und sich sicher fühlen, zeigen sie ihr wahres Gesicht: Ihre Hilfsbereitschaft versiegt, und sie sehen Bedürftige nicht mehr als Menschen, denen geholfen werden sollte, sondern als Last oder Bedrohung. Es ist eine Warnung: Die Liebe zum Geld kann das Herz verhärten und echtes Mitgefühl verdrängen.

Aber ist Geld an sich eine Sünde? Nein, sagt der hl. Ambrosius in seinem Lukaskommentar (5,69)[3]: Die Sünde liegt nicht im Besitz von Geld, sondern in der Gier danach. Geld und Reichtum bringen zwar viele Versuchungen zur Sünde mit sich, doch ebenso bieten sie Gelegenheiten zur Tugend. Materielle Wohltätigkeit ist keine zwingende Voraussetzung für Tugend – oft ist das ehrliche Wort eines Armen wertvoller als die großzügige Gabe eines Reichen. Gott verurteilt nicht den Reichtum an sich, sondern den falschen Umgang mit ihm. Nicht das Geld ist also sündhaft, sondern die Haltung dazu. Der habgierige Mensch lebt in ständiger Unruhe – wachsam, aber ohne inneren Frieden. Schon das allein ist eine Strafe. Und dennoch verlieren jene, die im Diesseits den Trost des Wohlstands genossen haben, durch ihre Gier auch noch den Lohn des ewigen Lebens.

Viele Menschen, auch Christen darunter, können sich fragen, warum sie in diesem Leben oft nicht das bekommen, was sie sich gerne wünschten? Der hl. Augustinus reflektiert darüber in seiner Zeit und gibt eine Antwort, die vielleicht im Hinblick auf unsere Fragestellung einiges beantworten kann.

„Gott will umsonst verehrt sein. Umsonst will er geliebt sein, d. h. keusch will er geliebt werden. Er will nicht darum geliebt werden, weil er etwas außerhalb von sich gibt, sondern weil er sich selbst gibt. Wer also Gott anruft, dass er reich werde, ruft Gott nicht an; denn er ruft an, was er will, dass es zu ihm komme. Was heißt anrufen, wenn nicht in sich hineinrufen? Wenn du sagst: Gott, gib mir Reichtum!, so willst du nicht, dass Gott selbst zu dir komme, sondern du willst, dass Reichtum zu dir komme. […] Wenn du Gott anriefest, käme er selbst zu dir – er selbst wäre dein Reichtum. Nun aber willst du einen vollen Behälter und ein leeres Gewissen. Doch Gott füllt nicht die Behälter, sondern das Herz. Was frommt dir äußerer Reichtum, wenn dich innere Armut drückt?“[4]


[1] Basilius v. Cäsarea, Ausgewählte Predigten VII,3 unter: https://bkv.unifr.ch/de/works/CPG-2845-2869/versions/ausgewahlte-predigten-bkv-3/divisions/71

[2] Vgl. auch Jer. 5,26ff und Jak. 5,1ff.

[3] Vgl. Texte der Kirchenväter III, München 1964, 390f.

[4] Augustinus, Erklärung der Psalmen, zu Ps 28, in: Texte der Kirchenväter III, München 1964, 396.