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Dr. Ivan Kachala, griechisch-katholischer Priester, Spiritual und geistlicher Begleiter, Ehemann und Familienvater
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Pneumatikos

Pneumatikos

… lasst euch vom Geist entflammen und dient dem Herrn! (Röm 12, 11)

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Tag: 3. März 2025

Triodion des Andreas von Kreta am Abend in der Kleinen Komplet

Categorized in: Media Posted on: März 3, 2025 Last updated on: März 7, 2025 Written by: admin
Eichstätt – Heilig-Geist-Kappele 28.03.2018 Es singt der Chor des Collegium Orientale. Chorleiter: Ruslan Stetsyk Videoaufnahme und Schnitt: Rostyslav Myrosh
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Impulse

  • Pastoraler Dienst und seine Regeln

    Liebe Mitbrüder im diakonalen und priesterlichen Dienst, liebe Schwester und Brüder, der Herr ist mein Hirte – dieses Bild zieht sich durch die ganze Bibel. Schon im Alten Testament vertraut Jakob Gott als seinem Hirten (Gen 48,15), und Psalm 23 spricht vom tiefen Vertrauen zu Gott: Der Herr ist mein Hirte. In Jesus Christus wird dieses Bild für uns konkret. Er bezeichnet sich selbst als der gute Hirte, der seine Schafe kennt, sie liebt und sogar sein Leben für sie hingibt (Joh 10,1ff.). Seine Fürsorge ist bedingungslos; er geht dem verlorenen Schaf nach und freut sich, als es gefunden ist. (Lk 15,3-7.) Die Ämterliste in Eph 4,7-16 nennt das Hirte-Sein als ein Amt, das aus der Gnade Christi fließt. 1 Petr 5,1-4 fordert von den Ältesten die Eigenschaften des Guten Hirten ein und ermahnt sie, für die ihnen anvertraute Herde Gottes zu sorgen. Sie sollen dabei ihre Herde nicht zu etwas zwingen, sondern sie in Freiheit führen. Die Leiter der Gemeinden sollen nicht in die eigenen Taschen wirtschaften, sondern aus Neigung und mit Leidenschaft ihren Dienst tun. Den Leitern der Gemeinden soll es nicht nur um Wolle und Fleisch der Schafe gehen. Wenn dann der oberste Hirt erscheint, werden sie den nie verwelkenden Kranz der Herrlichkeit empfangen. Der Dienst der Ältesten hat das Ziel, dass alle „tot seien für die Sünden und für die Gerechtigkeit leben“ und „zum Hirten und Bischof [ihrer] Seelen“ heimkehren“ (1 Petr 2,24-25). Im Laufe der Kirchengeschichte blieb das Bild vom „pastor bonus“ kennzeichnend für alle Dienstämter der Kirche. Ein Mosaik vom Guten Hirten im Mausoleum der Kaiserin Galla Placidia in Ravenna aus dem 5. Jh. zeigt fast programmatisch die wichtigsten Merkmale dieser Hirtenaufgabe. Über der Türe auf der Innenseite des Raumes sitzt Jesus Christus auf einem treppenartigen Stuhl, hält mit der linken Hand das Kreuz als Hirtenstab fest, mit der rechten Hand aber berührt liebevoll ein Schaf, sein Blick jedoch richtet sich in die Weite. Auch das Zweite Vatikanische Konzil spricht mit großer Selbstverständlichkeit vom Hirtenamt der Bischöfe und der Priester. Das Dekret „PRESBYTERORUM ORDINIS“ sagt über den dreifachen Dienst des geweihten Nachfolger Christi Folgendes: Sie sind Lehrer, Priester und Hirten und nehmen am Priestertum Christi, des obersten Lehrers, Priesters und Hirten teil. „Die Priester üben entsprechend ihrem Anteil an der Vollmacht das Amt Christi, des Hauptes und Hirten, aus. Sie versammeln im Namen des Bischofs die Familie Gottes, die als Gemeinschaft von Brüdern nach Einheit verlangt, und führen sie durch Christus im Geist zu Gott dem Vater. […] In der Auferbauung der Kirche müssen die Priester allen, nach dem Beispiel des Herrn, mit echter Menschlichkeit begegnen. Dabei sollen sie sich ihnen gegenüber nicht nach Menschengefallen verhalten, sondern so, wie es die Lehre und das christliche Leben erheischt.“ (PO 6) […] Die Hirtenaufgabe beschränkt sich aber nicht auf die Sorge für die einzelnen Gläubigen, sondern umfasst auch wesentlich die Bildung einer echten christlichen Gemeinschaft. Dieser Geist der Gemeinschaft muss, um recht gepflegt zu werden, nicht nur die Ortskirche, sondern die Gesamtkirche umfassen.“ (PO 6) „Als Lenker und Hirten des Volkes Gottes werden sie von der Liebe des Guten Hirten angetrieben, ihr Leben für ihre Schafe hinzugeben, auch zum höchsten und letzten Opfer bereit nach dem Beispiel jener Priester, die auch in unserer Zeit nicht gezögert haben, ihr Leben zu opfern […].“(PO 13) Was das Konzil in den 60-Jahren definiert und erklärt hatte, hat seine Gültigkeit bis heute. Nun aber sieht die Realität manchmal anders aus. Die Prieser von heute können einerseits in ihrem dreifachen Dienst an eigene Grenzen kommen, weil die Schafe ihnen bei der Verkündigung nicht zu hören, nur sporadisch an der Liturgie teilnehmen und ihnen als Hirten nicht folgen wollen. Durch das zunehmende Konsumdenken und Servicedenken in der Gesellschaft wird der Priester vielerorts als Dienstleister verstanden, durch den die religiösen Bedürfnisse der Menschen befriedigt werden sollen, und zwar auf Nachfrage. Vor dem Hintergrund dieser „modernen Welt“, in der sie nicht mehr als „Hirten“ wahrgenommen werden, können die Priester Gefahr laufen, sich an diese Sichtweise zu gewöhnen mit der Folge, dass sie sich selbst nur noch als Dienstleiter verstehen. Dementsprechend könnte ihr ganzes Tun gewinnorientiert werden in dem Sinne, dass sie ihre Handlungen als Hirten vorrangig mit einem Geldwert bewerten. Franz Kamphaus (1982-2007 Bischof von Limburg) beschreibt diese Entwicklung auf markanteste Weise: „Sie [Priester als Hirten] sind im Wesentlichen damit beschäftigt, ihr eigenes Schäfchen ins trockene zu bringen. […] Sie denken nur ans Scheren und Schlachten. Sie überlegen, wie man die anderen ausnehmen kann. Sie sind auf Wolle und Fleisch aus. Sie mästen ihre Herden, um mehr Wolle und Fleisch zu bekommen, immer mehr, immer mehr! Schließlich verdienen sie auch noch am Fell. Hirten dieser Art gibt’s genug unter uns. Der Stallgeruch unserer Gesellschaft verrät sie.“[1] Was trägt dann im pastoralen Dienst einen Priester? Was hat Bestand, dass er auf den hohen Wellen des Lebens nicht zugrunde geht oder nach der Strömung des Zeitgeistes schwimmt? Und schließlich was sind die Regeln eines pastoralen Dienstes, die einem Priester als Verkehrszeichen dienen können? Denn wer heute über die Sache des christlichen Glaubens, Gott, Kirche, Sakramente zu reden versucht, wird sehr bald das Fremde und Befremdliche einer solchen Kommunikation verspüren. Lieber redet man über allbekannte Themen wie Wetter, Urlaubsplanung oder Politik in der Welt. In seinem Buch „Einführung in das Christentum“ brachte Joseph Ratzinger[2] dieses Thema auf den Punkt und verwies auf die bekannte Erzählung von Kierkegaard über den Clown im brennenden Dorf. Diese Geschichte sagt, dass ein Reisezirkus in Dänemark in Brand geraten war. Der Direktor schickte daraufhin den Clown, der schon zur Vorstellung gerüstet war, in das benachbarte Dorf, um Hilfe zu holen, zumal die Gefahr bestand, dass über die abgeernteten, ausgetrockneten Felder das Feuer auch auf das Dorf übergreifen würde. Der Clown eilte in das Dorf und bat die Bewohner, sie möchten eiligst zu dem brennenden Zirkus kommen und löschen helfen. Aber die Dörfler hielten das Geschrei des Clowns ledig für einen ausgezeichneten Werbetrick, um sie möglichst zahlreich in die Vorstellung zu locken; sie applaudierten und lachten bis zu Tränen. Dem Clown war mehr zum Weinen […]

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  • Die innere Einstellung zum Studium

    Liebe Mitbrüder im diakonalen und priesterlichen Dienst, liebe Schwester und Brüder, Foto: uoj.org.ua „nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,20) lesen wir im Galaterbrief. Mit diesem Zitat wollen wir unseren Stillen Abend im Sommersemester 2026 beginnen. Was haben diese Worte des hl. Apostels Paulus mit unserem heutigen Thema „Die innere Einstellung zum Studium“ zu tun? Innerlichkeit und Studium – zwei Aspekte unseres Daseins im Collegium Orientale. Ohne innere Einstellung, ohne Gebet und ohne eine höhere Motivation im Theologiestudium wird das Lernen an der Universität für alle Beteiligten sehr mühsam sein. Um nicht dem besten Dogmatiker ähnlich zu werden, der zwar über enormes Wissen über Gott verfügt, ihn aber nicht anbeten kann, bedarf es nicht nur einer „Arbeitstischtheologie“, sondern einer knienden Theologie – einer Theologie, die das Leben des Forschenden verwandelt und erfüllt. Vor diesem Hintergrund bietet sich der Apostel Paulus als ein gutes Beispiel zur Nachahmung für alle Christen an, insbesondere für Seminaristen, Diakone und Priester: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir.“ Eigener Fleiß und Eifer, unterschiedliche Strategien und Taktiken während der Missionsreisen sowie seine Fähigkeit, anderen Mitarbeitenden zu vertrauen – all dies ist nur eine Seite der Medaille. Die andere ist die Christuserscheinung, die Begegnung mit dem Auferstandenen, die sein Leben existenziell verändert, geprägt und erfüllt hat. Paulus gehörte nicht zu den Zwölf, aber wegen seiner Berufung durch Christus (Gal 1,15) ist er der Apostel geworden.[1] Er wurde etwa 10 n. Chr. geboren und wuchs in Tarsus auf. Sein jüdischer Name war Saulus (Apg 13,9). Von seinem Vater hatte er das römische Bürgerrecht geerbt. Als gebildeter Pharisäer und zugleich Christenfeind hatte er mit Eifer das Judentum verteidigt und seine Gegner verfolgt. Später wurde er durch göttliche Berufung zum Heidenapostel. Als Nachfolger Christi begann er sein Wirken im nabatäischen Arabien, in Syrien und Zilizien. Sein Fuß betrat den Boden Zyperns, Kleinasiens, Mazedoniens, Griechenlands und er plante eine große Missionsreise über Italien bis nach Spanien. Nach seiner Verhaftung in Jerusalem wurde er, da er römischer Bürger war, nach Rom gebracht. Dort verkündigte er das Evangelium, bis er in den Sechzigerjahren von den Römern hingerichtet wurde. Paulus als gebildeter und von Christus berufener Apostel ermutigt auch uns, mit dieser „beidseitigen Medaille“ das Sommersemester 2026 zu beginnen. Damit wir nicht selbst zu einer einseitigen Medaille werden, bemühen wir uns im Collegium Orientale, das geistliche Leben nicht zu vernachlässigen, indem wir gemeinsam Gottesdienste feiern, zur Beichte gehen, die Heilige Schrift lesen und meditieren sowie geistliche Gespräche führen. All dies bildet einen Rahmen, der jedoch ohne die innere Einstellung und den Willen eines jeden nur ein Rahmen bleibt. Ein solcher Rahmen kann etwa als Zaun oder als Oase verstanden werden: Im ersten Fall beschränkt der Zaun die scheinbare Freiheit, setzt Grenzen und wird als Belastung empfunden; im zweiten Fall hingegen entfaltet sich die Person und kann sich in dieser Oase glücklich schätzen, so dass der Rahmen als Segen empfunden wird. Unser ΟΔΗΓΗΤΗΡ[2] (Wegweiser für das Geistliche Leben im Collegium Orientale) entfaltet diese Thematik ausführlich und macht deutlich, dass der Theologiestudent nicht nur nach dem suchen soll, was die Professoren in den Vorlesungen anbieten, sondern vor allem nach dem, was Gott ihm selbst zu offenbaren und über die Menschen von heute zu sagen hat. Hierzu bedarf es des Eintritts in den Dialog mit dem Wort der Heiligen Schrift, mit der Lehre der Kirche und vor allem mit Christus selbst, wie es nach einem bekannten Wort von Evagrios Pontikos heißt: »Wenn du Theologe bist, dann bete wirklich; und wenn du wirklich betest, bist du Theologe.«[3] Gleiches betont Johannes Chrysostomus: »Zuerst ist das Gebet da, dann kommt das (theologische) Wort«, wie sich auch die Apostel zunächst und vor allem dem Gebet und dem Dienst am Wort widmeten (Apg 6,4). Die Suche nach Gottes Willen für heute vollzieht sich im »Kämmerlein« des eigenen Herzens und ebenso im Mitvollzug kirchlichen Lebens. Dazu führt Johannes Chrysostomus weiter aus: »Du kannst auch zu Hause beten, du kannst dort aber unmöglich so beten, wie in der Kirche. Du wirst von Gott, wenn du allein betest, nicht so erhört, wie wenn du mit deinen Brüdern betest. Denn hier ist etwas mehr vorhanden: die Einheit im Denken und in der Rede, das Band der Liebe und das Gebet der Priester.«[4] »Das Gebet ist zum Ziel geführte Theologie. Im Gebet bleibt der Gläubige nicht bei einer bloßen Spekulation über Gott oder über den Glauben hängen, vielmehr erfährt er dabei die Manifestation der göttlichen Energie, d.h. der Kraft Gottes, die auf das Gebet antwortet und im Menschen den Durst nach Gebet vermehrt, so dass ihm die Erfahrung von Gottes Heilshandeln in seiner ganzen Tragweite zuteilwird.«[5] Um zu einem solchen Gebet zu finden, bedarf jener, der die Theologie studiert, auch der Umkehr und Reinigung: »Ja mehr noch: der Theologe muss sich darum bemühen, die für die orthodoxe Kirche so charakteristische Spiritualität möglichst vollkommen zu erfahren und zu erleben. Alle Väter der Kirche waren der Meinung, dass niemand sich Gott verstehend nähern kann, ohne sich vorher von seinen Begierden gereinigt zu haben.«[6] In der Tat, das Studium der Theologie wie auch das geistliche Mühen gehören zusammen, da ohne Umkehr keiner zur Erkenntnis und Weisheit Gottes gelangt. Begierden und Leidenschaften führen nur zu ständiger Beschäftigung mit sich selbst, weshalb die Befreiung hiervon zugleich höchste Sensibilität für die anderen bedeutet. Darum muss jener, der in der Erkenntnis der Theologie vorankommen möchte, zunächst gegen die eigenen Leidenschaften angehen. Nur so wird er immer feinfühliger für jene Tugend, die mit der höchsten menschlichen Vollkommenheit gleichzusetzen ist und die in der Liebe zu Gott und zum Nächsten besteht. Die höchste Gottähnlichkeit erlangt der Mensch aber im Gebet, in ihm vereinigt er sich mit Gott und ebenso mit allen Menschen. Die Gebetpraxis ändert auch seinen Lebensstil. Hierzu heißt es bei Gregor von Nazianz: »Willst du Theologe und Gottes würdig werden? Dann veredle deine Lebensart; erringe die Reinheit durch Reinigung; halte die Gebote; reinige dich zuerst selbst, dann erst nahe dich dem Reinen!«[7] Doch Gregor von Nyssa fügt aus eigener Erfahrung gleich hinzu: »Die Theologie ist ein hoher Berg, der schwer […]

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  • Zorn und Sanftmut: Umgang mit Lastern und Tugenden

    Screenshot In der Großen Fastenzeit erklingt in den Gottesdiensten der byzantinischen Tradition immer wieder das eindringliche Bußgebet des heiligen Ephräm des Syrers († 373): „Herr und Gebieter meines Lebens, den Geist des Müßiggangs, des Kleinmuts, der Herrschsucht und der Geschwätzigkeit gib mir nicht! Den Geist der Lauterkeit, Demut, Geduld und Liebe verleihe mir, Deinem Diener. Ja, Herr und König, lass mich meine eigenen Sünden recht erkennen und nicht meinen Bruder verurteilen, denn gepriesen bist Du in Ewigkeit. Amen.“ In diesen wenigen Worten entfaltet sich ein geistliches Programm für die Zeit der Vorbereitung auf das Osterfest. Das Gebet benennt Laster, die das Herz verengen, und Tugenden, die es weiten und verwandeln. Es lädt den gläubigen Menschen ein, das eine zu meiden und das andere einzuüben – nicht nur äußerlich, sondern in der Tiefe des eigenen Inneren. Doch darüber hinaus dürfen wir fragen, welche weiteren Laster und Tugenden unser geistliches Leben prägen oder gefährden. Eines davon ist der Zorn, den die Psychologie als Aggressivität beschreibt, und ihm entgegensetzte Tugend die Sanftmut. Über diese beiden wird im Folgenden nachgedacht, besonders im Hinblick auf die Schriften der Wüstenväter. Was ist der Zorn? Wo liegen seine Wurzeln? Und schließlich: Wie ist mit ihm umzugehen? Doch bevor wir damit beginnen, lade ich Sie ein, darüber nachzudenken: Wann war ich das letzte Mal zornig und warum? Zornig kann ich zum Beispiel werden, wenn ich mich nach zwei Wochen Ferien wieder an den Arbeitstisch setze, den Laptop öffne und es wage, an einem Portfolio, einer Magister-, Lizentiatsarbeit oder einer Promotion zu schreiben. Schnell stelle ich fest, dass ich nicht genau weiß, wie es weitergehen soll. Nach einer Stunde oder kurz vor dem Mittagessen sind meine Ideen am Ende. Langsam schleicht sich Unmut ein, ich werde zornig, und mit diesem Zorn gehe ich zum Mittagessen, an dem ich keine Freude empfinde. Alles, was mir entgegenkommt, alles, was mir gesagt wird, ärgert mich – und mein Zorn wächst: Am liebsten würde ich mich in mein Zimmer einschließen, niemanden mehr sehen und das Studium beenden. Aus meinem eigenen Studium kann ich mich bis heute an eine Situation erinnern, in der ich sehr zornig war – eine Situation, aus der ich aber viel gelernt habe. Eine Woche lang arbeitete ich an einem Kapitel für meine Lizentiatsarbeit. Es waren etwa fünf Seiten korrigierten Textes, auf die ich sehr stolz war. Doch durch technische Probleme meines Computers waren diese Seiten plötzlich spurlos verschwunden, denn ich hatte diese Datei nicht anderswo gespeichert. Zorn, erfasste mich Wut und schließlich Traurigkeit – so sehr, dass ich diesen alten Laptop am liebsten aus dem Fenster geworfen hätte. Im Nachhinein war dies eine Lektion für meine zukünftige Arbeit, für die ich bis heute dankbar bin: Seither speichere ich wichtige Dokumente immer auf zwei verschiedenen Speichermedien. Was ist also der Zorn, von dem wir sowohl in der malabarischen als auch in der byzantinischen Liturgie sprechen: „Lasst uns unsere Seelen von Zorn und Feindschaft reinigen“, „Dass Er uns bewahre vor aller Trübsal, vor Zorn, Not und Bedrängnis, lasst uns beten zum Herrn.“ Wut (ὀργή) und Zorn (θυμός) gehen meist zusammen. Deshalb sprechen die Wüstenväter vom Jähzorn, versuchen dabei aber dennoch, diese beiden Regungen zu unterscheiden. „Wut ist ein Verlangen nach Rache, Rache aber ist Vergeltung von Bösem.“[1] „Zorn ist der Ansturm des Begehrens in der friedlichen Seele, die vor allem auf Rache sinnt.“ Im Volksmund sagen wir oft, jemand „koche vor Wut“. Die Wut macht die Seele den ganzen Tag unruhig und wild. Vor allem aber reißt sie den νοῦς[2](nach G. Bunge „Intellekt“, nach M. Schneider „der innere Mensch“) während des Gebets mit sich fort, indem sie das Gesicht dessen vor Augen stellt, der mich beleidigt hat oder den ich beleidigt habe. Zorn und Wut haben gleichsam primäre und sekundäre Ursachen sowie entsprechende Folgen.[3] Eine primäre Ursache kann zum Beispiel ein erlittenes Unrecht sein: eine wirkliche oder eingebildete Beleidigung, eine ungerechte Verleumdung, ein unbegründeter Tadel oder sogar Verfolgung und Schläge. Das Erlittene erzeugt Zorn und Wut, die nach Rache verlangen. Wenn dieses Racheverlangen nicht gestillt werden kann, stellen sich dann Kummer und das Gefühl der Frustration ein. Der erregte Zorn treibt den Betroffenen jedoch auch zu Taten, die in anderen dieselben Regungen hervorrufen, etwa Lüge und falsches Zeugnis, Schmähungen, lautes und unwilliges Geschrei, Verdächtigungen, das Verlangen, dem anderen etwas Beleidigendes zu schreiben, die Weigerung zur Versöhnung und vieles mehr. Kurz gesagt: Der Zorn drängt dazu, „Böses mit Bösem zu vergelten. Eine sekundäre Ursache des Zorns, der hier als Folge einer anderen Leidenschaft erscheint, ist der Hochmut. Denn die Allmachtsphantasien der Überheblichen zerbrechen oft an der Weigerung der anderen, sich ihnen zu unterwerfen. Diese Frustration erzeugt Wut und Groll, auf die sogar noch Schlimmeres folgen kann, nämlich Irrsinn und Wahnvorstellungen. Eine weitere verbreitete sekundäre Ursache des Zorns sind die Begierden, etwa das Verlangen nach Besitz und Reichtum. Diese können Hass auf jene hervorrufen, die diesem Streben im Wege stehen. Für die Wüstenväter gilt ein Grundsatz, der lautet:[4] „Selig, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott schauen“ (Mt 5,8). Um die Reinheit des Herzens bemühen sich die Väter ein Leben lang, sie ist das Ziel ihres Suchens und Strebens. Wie dies im Einzelnen geschieht, beschreiben die Mönchsväter im sogenannten »Lasterkatalog«, zu dem auch der Zorn gehört. Die Dämonen in ihrem Wirken rufen nämlich im Menschen nicht nur diverse Gedanken (logismoi) hervor, sondern auch ganz bestimmte Fehlhaltungen, die »Laster«. Hinter jedem Laster steht ein Dämon. Meist werden acht Laster aufgezählt: Völlerei, Unzucht, Habsucht, Traurigkeit, Zorn, Trägheit, Ruhmsucht und Stolz. Die Geschichte des Lasterschemas ist erstmals von Evagrios Pontikos (*345-†399) überliefert und sie beginnt weder mit Aufteilung auf sieben noch mit der Rede von Hauptsünden. Der Lasterkatalog ist der bekannteste in der abendländischen Tradition seit Gregor dem Großen (†604) und gilt als Katalog der sieben Hauptsünden. Ähnliche Lasterreihen sind bereits in der Stoa sowie in den paulinischen Briefen[5] zu finden, aber in ihrer heutigen Form wurden sie erstmal, wie bereits erwähnt, bei den ägyptischen Mönchen überliefert. Auch der heilige Johannes Cassian (†435) liegt mit seinem Lasterkatalog nahe bei dem von Evagrios, obwohl […]

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  • Die Anfänge der Diakonie: Vom Erzdiakon Stephanus bis zum Erzdiakon Laurentius

    Viktor Emil Frankl (*1905 – † 1997) der berühmte Psychologe und Erfinder der Logotherapie stellt die Frage nach dem Sinn des menschlichen Lebens und Daseins. In seinen Aufsätzen betont er immer wieder, dass der Sinn der menschlichen Existenz außerhalb des Menschen liegt. Der Mensch als Subjekt kann sich selbst nicht zum Objekt der Betrachtung machen. Der Mensch braucht etwas außerhalb von sich und wenn er in diesem seinen Sinn entdecken kann, findet er die Erfüllung seines Daseins. Frankl vergleicht dies mit einem Teleskop. „Mit dessen Hilfe lassen sich alle Planeten der Sonne beobachten, mit einer einzigen Ausnahme: Ausgenommen bleibt der Planet Erde selbst. Ähnlich ergeht es uns Menschen mit aller Erkenntnis: Alle Erkenntnis, ist an einen Standort gebunden. Wo jedoch der Standort des Menschen ist, kann kein anderer Gegenstand sein, und so kann denn auch das Subjekt nie in vollendeter Weise sein eigenes Objekt werden. […] Zum Wesen des Menschen gehören das Hingeordnet- und Ausgerichtetsein, sei es auf etwas, auf jemanden, oder auf eine Idee. Der Mensch [als Folge seiner Freiheit hat eine Verantwortung, auch für sich selbst und er] ist […] nicht da, um sich selbst zu beobachten und sich selbst zu bespiegeln: sondern er ist vorwiegend dazu da, um sich auszuliefern, sich preiszugeben, erkennend und liebend sich hinzugeben“.[1] Auch ein Bumerang ist für Frankl ein Beispiel, das das oben Gesagte noch besser auf den Punkt bringt. „Im Gegensatz zur irrtümlichen Annahme, der Bumerang kehre auf jeden Fall zum Jäger zurück, tut er es nur, wenn er das Ziel nicht erreicht, die Beute nicht getroffen hat. Genau so sind gerade die Menschen, die so sehr um Selbstverwirklichung bemüht und bekümmert, die auf der Suche nach Sinn frustriert auf sich selbst zurückkommen, sich auf sich selbst zurückbeugen, sich selbst »reflektieren« […].“[2] Mit dieser kurzen Anleitung von einigen Zitaten von Frankl möchten wir im Folgenden in drei Schritten vorgehen. Zuerst betrachten wir die Texte aus Apostelgeschichte 6,1–8 und versuchen, daraus die Intention des Evangelisten Lukas zu erschließen – besonders im Hinblick auf unseren Dienst in der Kirche. Anschließend nehmen wir den 1. Timotheusbrief mit seinem Anforderungskatalog für das Amt des Diakons in den Blick. Drittens soll das Wirken und Leben des heiligen Erzdiakons Laurentius kurz beschrieben werden. Frankl ist der Ansicht, dass der Mensch seinem Wesen nach auf etwas ausgerichtet und hingeordnet sein soll, das außerhalb seiner selbst liegt. In diesem Licht lässt sich auch der Dienst des Diakons verstehen: als ein Dienst, in dem er nicht sich selbst dient, sondern anderen – oder dem ANDEREN. Ein Dienst am Wort, am Altar und an der Liebe. Wie aber verstand die erste Gemeinde diesen Dienst? Dazu werfen wir einen Blick in die Apostelgeschichte. Die Wahl der Sieben 1 In diesen Tagen, als die Zahl der Jünger zunahm, murrten die Hellenisten gegen die Hebräer, weil ihre Witwen bei der täglichen Versorgung (ἐν τῇ διακονίᾳ) übersehen wurden. 2 Da riefen die Zwölf die ganze Schar der Jünger zusammen und erklärten: Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und uns dem Dienst an den Tischen (διακονεῖν τραπέζαις) widmen. 3 Brüder, wählt aus eurer Mitte sieben Männer von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit (μαρτυρουμένους ἑπτά, πλήρεις πνεύματος καὶ σοφίας) ihnen werden wir diese Aufgabe übertragen. 4 Wir aber wollen beim Gebet und beim Dienst am Wort bleiben. 5 Der Vorschlag fand den Beifall der ganzen Gemeinde und sie wählten Stephanus, einen Mann, erfüllt vom Glauben und vom Heiligen Geist (πλήρης πίστεως καὶ πνεύματος ἁγίου), ferner Philippus und Prochorus, Nikanor und Timon, Parmenas und Nikolaus, einen Proselyten aus Antiochia. 6 Sie ließen sie vor die Apostel hintreten und diese legten ihnen unter Gebet die Hände auf. 7 Und das Wort Gottes breitete sich aus und die Zahl der Jünger in Jerusalem wurde immer größer; auch eine große Anzahl von den Priestern nahm gehorsam den Glauben an. Wer waren also diese sieben Männer? Diakone? Welchen Sinn erfüllten sie in der Gemeinde? Doch bevor auf diese Fragen eingegangen wird, wollen wir in aller Kürze einen Blick auf die historische Situation werfen. Im frühen Christentum wird das Wort „dienen“ mit großer Freude aufgenommen. Schon die ältesten Schriften – die vier Evangelien, die Paulusbriefe und der 1. Petrusbrief – sprechen davon. Das zeigt, wie stark die ersten Christen auf soziale Fragen und auf die Bedürfnisse von armen oder schwachen Menschen achteten. Im älteren Judentum – auch im griechisch-sprachigen – war dieser Begriff noch nicht üblich. Dass er im Neuen Testament erscheint, zeigt also den Übergang des Christentums in die griechisch-sprachige Welt. Nach dem Markusevangelium wird das Prinzip des Dienens sogar zum Maßstab für Aufgaben in der Gemeinde: „Wer der Erste sein will, soll der Diener aller sein“ (Mk 10,43–45). Auch die Apostelgeschichte (Apg 6) greift diese Idee auf. Lukas betont, dass die Diakonie – also der praktische Dienst – eng mit den zwölf Aposteln verbunden ist. Damit spricht er auch die heidenchristlichen Gemeinden an, denen praktische Hilfe besonders wichtig war. Durch seinen Bericht gibt Lukas diesen sozialen Bemühungen große Bedeutung und Anerkennung. Wie andere Autoren des Neuen Testaments verknüpft Lukas den sozialen Dienst eng mit dem Wirken des Heiligen Geistes. Gerade dort, wo stark von himmlischen oder geistlichen Dingen gesprochen wird, steht zugleich die menschliche Not im Mittelpunkt. Heiliger Geist, Gnade und geistliche Gaben sind im frühen Christentum eng mit sozialem Engagement verbunden. Ein Blick in 1 Petr 4 und 1 Kor 12 zeigt: Nach Apg 6 ist der Heilige Geist die Grundlage für alle Dienste – für die Zwölf in Apg 2 und auch für die Sieben in Apg 6,2. Nach Apg 6 gibt es zwei Formen des Dienstes: Dienst an den Tischen (Versorgung der Armen) und Dienst am Wort Gottes (Gebet und Verkündigung) Beides ist Diakonie, verstanden als Dienst innerhalb einer vom Geist erfüllten Gemeinschaft. Auch 1. Kor 12 betont Paulus zuerst die Gabe des Heiligen Geistes und spricht ebenfalls von „Diakonie“. Zusätzlich verwendet er das Wort „Charisma“ für alle geistlichen Gaben. An erster Stelle stehen dort die Gaben des Wortes (Weisheit und Erkenntnis), was wiederum gut zu Apg 6 passt. Auffällig ist jedoch, dass soziale Dienste wie […]

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  • Priestertum: Wenn Berufung zum Beruf wird…

    „Priestertum: Wenn Berufung zum Beruf wird…“ ist das Thema unseres heutigen „Stillen Abends“. Was ist Berufung und was ist Beruf? Worin unterscheiden sich beiden Begriffe? Jeder Mensch auf dieser Erde hat eine Berufung zum Leben. Die Frage ist nur, ob jeder Mensch dieses eine Leben als Berufung versteht. Jeder Mensch hat eine Berufung zum Glauben, die Frage ist nur, ob jeder an Gott glaubt oder vielleicht an sich selbst, an Schicksal, an höhere Instanz(en). Jeder Mensch hat darüber hinaus eine Berufung zum Dienst, sei es in einer Familie, sei es in der Gesellschaft, sei es in der Kirche. Die Frage ist nur, ob er sich dessen bewusst ist. Berufung zu haben, heißt nicht automatisch nach der Berufung zu leben. Man kann sich auch der Berufung verschließen und daraus nur einen Beruf machen, in dem die materielle Lebensgrundlage verdient wird, ohne Bezug auf die Person selbst und ihr Umfeld. Manche Bäcker und Metzger üben ihren Beruf voller Leidenschaft und Hingabe aus, aber kann es eine „Berufung“ sein, Brot zu backen oder Fleisch zu verkaufen? Wo ist aber der Unterscheid zwischen einem Metzger und einem Priester? Der Unterschied liegt darin, dass der Metzger sich nicht unbedingt identifizieren muss mit dem, was er tut. Sein Job hat keine Konsequenzen auf sein Leben und umgekehrt. Bei einem Künstler verhält sich das aber schon anderes, denn seine Kunstwerke sollten von ihm sprechen, von seinem Leben und seiner Weltsicht. Noch anders verhält es sich bei einem Priester. Um nicht bloß kirchlicher Jobber zu werden, bedarf die Verkündigung des Wortes Gottes seiner geistlichen Lebensführung. Der Priester stellt seine religiösen Dienste den Menschen nicht „zur Verfügung“, oder bietet sie etwa Kauf an, sondern der Priester soll in seinem Leben das umsetzten, was er verkündet, was selbst glaubt und was er bei der Weihe empfangen hat. Mit anderen Worten wird er nur dann glaubwürdig, wenn sein Tun mit seiner Lebensführung übereinstimmt, denn seine Berufung verlangt vom ihm Hingabe, Leidenschaft und brennende Liebe. „In der Heiligen Schrift ist immer wieder davon die Rede, daß und wie Gott dem Menschen seinen Willen kundtut und ihn beruft. Diese Berufungsberichte der Bibel können den Eindruck entstehen lassen, daß Gottes Ruf den Menschen eher von außen, »vom Himmel herab«, trifft. [Doch es gibt auch andere Erfahrung], daß nämlich Gott den Menschen auch – bzw. meistens sogar – »von unten«, und zwar durch die Ereignisse und Dinge seines Lebens beruft, so daß der Mensch erfährt, wie eng Gottes Berufung mit seinem Leben zusammenhängt. Darin zeigt sich ein spezifisches Verständnis von Berufung, daß nämlich der Mensch in der Gesamtheit seiner Bestimmungen als ein Ruf Gottes verstanden werden darf: Er bekommt nicht den Ruf Gottes, er ist Ruf Gottes!“ Das Finden des Willens Gottes bleibt eng mit dem Sich-Einlassen auf die eigene Lebenslinie verbunden und setzt Teil- und Vorfragen voraus: Wer bin ich? Wo liegen meine Fähigkeiten und Stärken, meine Grenzen und Schwierigkeiten? Welche Aufgaben und Verpflichtungen habe ich? Nur wer sich hier genau kennt und weiß, was er will, wird wissen, was Gott von ihm verlangt.[1] Die meisten werden diesen Gedanken wohl auch bestätigen können, dass sie keine Erscheinung oder Vision hatten, in der ihnen gesagt wurde, Du sollst Priester werden! Du musst ins Priesterseminar, Du musst ins Collegium Orientale nach Eichstätt. Wenn wir also von unserer persönlichen Berufung sprechen, denken wir öfters an verschiedene Situationen, Lebensereignisse, vielleicht Lebenskrisen, aber insbesondere an Menschen, die dazu beigetragen haben, den inneren Ruf Gottes gespürt und seine Stimme entdeckt zu haben. Diesem Ruf zu folgen und auf diese Stimme zu hören ist eine lebenslange Aufgabe, an der ein Priester immer arbeiten muss. Diese innere Stimme kann man auch als das Wirken des Heiligen Geistes in uns nennen, die unser Herz nicht in Ruhe lässt und zu weiteren Schritten motiviert. Ein Leben mit Gott bedarf der täglichen Umkehr und Neuorientierung in allem, was uns im Glauben verheißen ist. Nur einer, der seine Berufung und sich selbst als Ruf Gottes versteht und dieses wiederrum als kostbaren Schatz in »irdenen« und »zerbrechlichen« Gefäßen (vgl. 2 Kor 4,7) zu tragen vermag, wird inneren Frieden, Trost und Erfüllung finden in dem, was er tut, auch im Hinblick auf seine Schattenseite und verschiedene Lebenskrisen, da »der äußere Mensch aufgerieben wird, der innere Mensch wird Tag für Tag erneuert« (vgl. 2 Kor 4,16).[2] Der hl. Karl Borromäus (*1538 – †1584) hebt hervor in einer Predigt seinen Zuhörern: „Sag nichts anderes, als was du wirklich tust“. André Louf[3] (*1929 – † 2010) ein belgischer Theologe, Trappist zeigt das Gemeinte am Umgang mit geistlichen Idealen. Am Anfang des geistlichen Weges sind viele voller Begeisterung. Sie wollen schnell und großzügig auf den Ruf Gottes antworten und bereit sein, Opfer zu bringen, um ein guter und vollkommener Jünger zu werden. Geistliche Bücher und Übungen werden gelesen und reflektiert. Sie streben nach Vollkommenheit an und wollen gleich den geistlichen Fortschritt von sich selbst haben. Man übt sich in Selbstverleugnung, Demut, Gehorsam, selbstloser Liebe und großem Einsatz. Dabei versucht man, persönliche Probleme und Hindernisse zu überwinden. Auch das Leben mit anderen Menschen, etwa in einer Gemeinschaft, trägt dazu bei: Brüderlichkeit, Hingabe, Einsatzbereitschaft und Hilfsbereitschaft werden erwartet. Oft weckt das – bewusst oder unbewusst – den Wunsch, den eigenen Idealen möglichst perfekt zu entsprechen. Wer geistliche Begleitung hat oder mit einem Abt oder Rektor spricht, möchte vielleicht als „demütiger“ Novize oder Seminarist erscheinen, als jemand, bei dem alles gut läuft, der keine Fragen oder Schwierigkeiten hat und über dessen Erfolge sich alle freuen können. Das wirkt beruhigend und zufriedenstellend – für beide Seiten. Doch dieses Ideal der Vollkommenheit hat meist wenig mit den wirklichen Bedürfnissen und Erfahrungen eines Menschen zu tun. Probleme, Schwächen, Unsicherheiten, Ängste und Fragen werden verdrängt. Sie dürfen nicht mehr bewusst werden. Dadurch geht sehr viel innere Kraft verloren. So ein Mensch ist zwar freundlich und brav, aber innerlich bleibt alles blass und kraftlos. Oft zeigt sich das auch körperlich: Kopfschmerzen, Magen- und Rückenbeschwerden, Kreislaufprobleme oder häufige Erkältungen. Ein Mensch, der so lebt, hält an gut gemeinten Idealen fest, kann aber seinen eigenen Wünschen, Sehnsüchten und persönlichen Neigungen keinen […]

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  • „Kommt und ruht ein wenig aus“ – von der Urlaubszeit

    Als ich vor etlichen Jahren meine Ferienbeschäftigung ausgeübt habe, war das für mich nicht nur eine Gutschrift auf dem Konto am Ende des Monats, sondern es waren auch  wertvolle Erfahrungen, die ich in verschiedenen Firmen mit unterschiedlichen Menschen sammeln durfte. Manche nannten mich, da sie ja wussten, wo und was ich studiere, „Herr Pfarrer“ mit einer gewissen Achtung auf Hinblick auf meinen künftigen Dienst als Priester, bei manchen aber klang dieses „Herr Pfarrer“ mit einem Unterton – irgendwo zwischen Skepsis und höflicher Distanz. Aber selbst diese letzte Nebelwand löste sich meist nach ein paar Pausengesprächen über Leberkässemmel und Thermoskanne auf. Einige aßen ihre Brotzeit schweigend, einige wollten die ganze Aufmerksamkeit vom Arbeitsteam auf sich ziehen, einige mieden jede Versammlung. Bei vielen angesprochenen Themen, auch hinsichtlich meines „Pfarrerjobs“, künftiger Pfarrer, der gleichzeitig Ehemann und Familienvater ist, gab es keine Hürden und Grenzen. Damals als Theologiestudent und Seminarist was es für mich spannend zu hören, was die Menschen interessiert und bewegt und wo ihre Prioritäten liegen, doch ganz anders als ich es in Hörsälen zu hören gewöhnt war. Deshalb rate ich heute, als Spiritual, jedem Seminaristen, in diese Welt einzutauchen. Ein Thema, das alle interessierte und bei dem alle engagiert mitredeten war und ist sicherlich auch heute noch – der Urlaub: eine Zeit der Erholung und Nicht-zur-Arbeit-Gehen. Fast alle, wie auch ich, freuten sich, wie Kinder auf die Sommerferien, auf diese Zeit. Man sprach mit Begeisterung über all das, was noch vor etwa einem Jahr geplant, gebucht und reserviert wurde. Man zeigte sogar die Fotos und Videos auf Youtube von dem Erholungsort. Die beste Freude ist die Vorfreude pflegt man hierzulande zu sagen. Das ganze Kalenderjahr dreht sich in Berufsleben vieler Menschen um den Urlaub: Ab Weihnachten etwa wird geplant und gesucht, man wartet sehnsüchtig auf diese „Freizeit“. Schließlich kommt er, der Urlaub. Und mit ihm auch der Stress. Die Autobahn ist voll, der Zug hat Verspätung, das Hotel ist doch nicht so „wie auf den Bildern“ und WLAN gibt’s auch keins. Die lange ersehnte Erholung verfliegt manchmal schneller als der Rückflug. Statt aufzutanken, ist man damit beschäftigt, möglichst perfekte Urlaubsbilder für Instagram zu schießen und alle E-Mails im Pool zu beantworten. Und wenn man dann aus dem Urlaub zurückkommt, erzählt man in der Pausenstube wieder davon, jetzt schon vom nächsten Urlaub träumend, der noch in weiter Ferne liegt. Damit Urlaub nicht zur Projektarbeit mit Sonnencreme wird, sondern wirklich Erholung für Leib und Seele bringt, lohnt es sich einen Blick auf Jesus Christus zu werfen. Er war nicht nur Gottes Sohn, sondern auch ganz Mensch: Er kannte Müdigkeit, Hitze, Hunger, Freude und Tränen. Von ihm kann man am besten lernen, wie man sich richtig erholt. Sehr oft ergeht es uns allen ähnlich wie den Aposteln, die Jesus alles berichten, was sie gelernt und getan haben. Nach der anstrengenden Arbeit kommen sie müde und erschöpft, zu ihrem Meister zurück und versammeln sich um ihn. Dann sagt Jesus folgende Worte zu ihnen, die an Aktualität und Bedeutung bis heute nichts verloren haben: „Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus!“ Mk 6,30. Einsamer Ort als Ort der besonderen Nähe mit Jesus und zugleich als Ort der Erholung. Für beides, das Gebet und die Erholung, sucht Jesus die Einsamkeit auf, auch zusammen mit den Jüngern: Sei es ein Berg oder eine Bootfahrt auf dem See Genezareth. Berge sind gute Orte für Auszeiten. Hoch oben hat man das Gefühl, über den Dingen zu stehen und auch Gott nahe zu kommen. Aber auch das Wasser hat in anstrengenden und heißen Jahreszeiten eine Anziehungskraft und kann Erholung, Erfrischung und Ruhe bringen: Berge und Seen dienen Jesus als Orte der Erholung. „Es geschah aber in jenen Tagen, dass Jesus auf einen Berg ging, um zu beten“ (Lk 6,12). „Jesus zog sich allein von dort mit dem Boot in eine einsame Gegend zurück.“ (Mt. 14,13) Aber was ist dann, wenn wir nirgendswo zum Wasser oder in die Berge verreisen können? Da hilft vielleicht eine Empfehlung von hl. Cyprian von Karthago an seinen Freund Donatus, an einem idyllischen Ruheplätzchen im Garten (oder in der naheliegenden Natur) sich hinzusetzen und auszuruhen. „[…] es ist auch gerade die jetzige Zeit ganz besonders geeignet, es zu erfüllen, da jetzt, dank der Weinlese, der Geist, aller Sorgen ledig, sich seiner Erholung widmen und nach den Mühen des Jahres die übliche, regelmäßig wiederkehrende Ruhe genießen darf. Auch der Ort stimmt mit der Zeit zusammen, und […] vereinigt sich der liebliche Anblick der Gärten, um unsere Sinne zu erquicken und zu erfreuen. Wie angenehm läßt sich hier plaudernd den Tag verbringen und in ernsten Gesprächen unser Herz zur Kenntnis der göttlichen Gebote hinleiten!“[1] Ein Verweilen im Garten ist also für Cyprian der Ort der Erholung und des Auftankens der neuen Kraft, was auch dem hl. Gregor v. Nyssa von seiner Schwester hl. Makrina ans Herz gelegt wird, indem sie ihm Folgendes rät: „Bruder, es ist für dich Zeit, den Leib ein wenig ausruhen zu lassen, da du von der großen Anstrengung der Reise müde geworden bist. […] Da ihr [Makrina] aber dies erwünscht und lieb war, so ruhte ich [Gregor], […] in einem der anliegenden Gärtchen aus, wo ich ein willkommenes Ruheplätzchen vorfand, im Schatten der an den Bäumen gezogenen Weinreben aus.“[2] Urlaub ist für viele das heimliche Zentrum des Jahres – voller Planung, Vorfreude und leider oft auch mit Stress. Doch echte Erholung, die Leib und Seele guttut, braucht nicht immer Sonne, Sand und Flugticket. Jesus selbst zeigt uns: Rückzug, Ruhe und Gebet sind die besten Kraftquellen. Ob in den Bergen, am See oder im eigenen Garten – wer sich mit offenem Herzen zurückzieht, kann dort am ehesten das finden, wonach wir alle suchen: Frieden, neue Kraft – und, wenn er sich finden lässt, vielleicht sogar Gott (Jak 4,8). [1] Cyprian von Karthago, Ad Donatum I (BKV) unter: https://bkv.unifr.ch/de/works/cpl-38/compare/an-donatus-bkv/3/ad-donatum-CSEL#fn:3 [2] Gregor von Nyssa, Vita Macrinae 18 (BKV) unter: https://bkv.unifr.ch/de/works/cpg-3166/versions/lebensbeschreibung-seiner-schwester-makrina-bkv/divisions/20

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  • Ewiges Gedächtnis: im Gedenken an P. Michael Prohazka

    Als Spiritual des Collegium Orientale denke immer gerne zurück an den am 28. Juli 2023 verstorbenen, ehemaligen Vizerektor, Archimandrit und Altabt von Geras Michael Proházka. Gerne erinnere ich mich an all die Begegnungen und die Zusammenarbeit mit P. Michael – so nannten wir ihn, und ich kann mit Zuversicht sagen, dass er mit seinem Dasein als Mensch, als Christ und als Priestermönch unsere Gemeinschaft im Collegium Orientale geprägt hat. Er war ein Mensch mit Großbuchstaben geschrieben, der stets menschlich und einfühlsam mit jedem Kollegiaten umging, mit einem großen Herzen und Verständnis für jeden Einzelnen. Sein Menschsein lebte er vor im Bewusstsein, dass das Leben ein Geschenk Gottes ist. Trotz seiner gesundheitlichen Beeinträchtigungen bemühte er sich, seine Lebensfreude und die Hoffnung, die sein Herz erfüllte, auf andere zu übertragen, besonders auf die Kollegiaten. P. Michael verlor nie seinen Sinn für Humor und Geselligkeit. An manchen Freitagen, wenn die Kartoffeln etwas zu trocken waren, eilte er in seine Wohnung, um für alle griechisches Öl oder orientalische Gewürze zu holen, die er stets griffbereit hatte.  Und wenn es nach dem Mittagessen noch einen Kaffee gab, pflegte P. Michael von seiner Familie, seinen Geschwistern zu erzählen, die jeden Morgen vom Vater in die Schule gebracht wurden und, obwohl das damalige Familienauto sehr klein war, passten alle Geschwister hinein, ohne natürlich die Bewunderung und das Schmunzeln der Klassenkameraden zu übersehen… P. Michael lebte sein Christsein vor und setzte Zeichen seines Glaubens. Im Februar 2022 schrieb er in einem Artikel Folgendes: „Ich bin ein Mensch der Hoffnung und werde es immer bleiben! Die Hoffnung wurde mir durch alle Jahre und besonders in den schwierigen Zeiten zum Leitstern meines Lebens. […] Christus selbst ist mit seinem ganzen Leben und Sterben am Kreuz ein Beweis dafür!“ Sein christlicher Glaube und wie er selber formulierte diese christliche Hoffnung spendeten ihm Ausdauer und Mut. Weiter schrieb er: „Ja es macht Sinn, in diesen oft so unsicheren Zeiten nicht zu resignieren und vor allem, wieder aufzustehen und nicht liegen zu bleiben, wenn uns die Umstände zu Boden geworfen haben“. Damit meinte er bestimmt seine schwere Krankheit, die ihm zu schaffen machte.  P. Michael lebte auch sein Mönchpriestersein vor. Nicht nur sein Habit und sein ostkirchlich langer Bart zeichneten ihn dafür aus, sondern sein Gebet, sein Eifer und seine Liebe zu den byzantinischen Gottesdiensten, die er sehr gerne zelebrierte. Und wenn er manches in den ostkirchlichen langen Rubriken ausgelassen oder durcheinander gebracht hat, wurde es oft von ihm mit einem Bibelzitat begründet. Nicht nur in der byzantinischen Spiritualität bewandert, sondern auch in der lateinischen, geprägt vom heiligen Norbert, dem Gründer des Prämonstratenserordens, konnte P. Michael mit den zwei Lungenflügeln atmen, lieben und dienen als Mensch und als Christ und schließlich als Priestermönch.

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… lasst euch vom Geist entflammen und dient dem Herrn! (Röm 12, 11)

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Über mich

Geboren am 23. April 1985 in Lypiwka, Ukraine. Griechisch-katholischer Priester und Wissenschaftler. Theologiestudium in Ukraine und Deutschland. Promotion an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt über Apologetik im Lukasevangelium. Aktuell Spiritual des Collegium Orientale in Eichstätt.

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Für die Entstehung dieser Homepage gilt mein aufrichtiger Dank Prof. em. Michael Schneider SJ, meiner Familie, der Familie Klee und Priester Volodymyr Kliuiko.

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